Key-Person-Risk: Was passiert, wenn die tragende Person geht?

Ein zentraler Knotenpunkt in einem Netzwerk – Visualisierung der Abhängigkeit eines Unternehmens von einer einzelnen Person

Was ist Key-Person-Risk in der Unternehmensnachfolge?

Key-Person-Risk bezeichnet die Abhängigkeit eines Unternehmens von einer einzelnen Person – und in der Unternehmensnachfolge ist diese Person meistens der Gründer selbst. Was über Jahrzehnte als Stärke galt – dass eine Person alle Fäden in der Hand hält, alle Kunden kennt, alle Entscheidungen trifft – wird im Moment der Übergabe zum größten Risiko. Denn dieses Wissen, diese Beziehungen und dieses Vertrauen sind nicht im Unternehmen gespeichert. Sie sind in einer Person gespeichert. Und die geht.

Das ist keine Schwäche des Gründers. Es ist die natürliche Konsequenz eines unternehmerischen Führungsstils, der auf persönlicher Präsenz und persönlichem Netzwerk beruht. Viele mittelständische Unternehmen sind erst durch diesen Stil groß geworden. Das Problem entsteht nicht beim Aufbau, sondern beim Abgang.

Wie erkennt man das Key-Person-Risk im eigenen Unternehmen?

Das Key-Person-Risk zeigt sich selten offen. Es zeigt sich in Fragen, die Sie sich stellen – oder die andere Ihnen stellen. Rufen Ihre wichtigsten Kunden direkt bei Ihnen an, auch wenn es Zuständige im Team gibt? Werden Entscheidungen, die ohne Sie getroffen werden könnten, lieber auf die nächste Besprechung verschoben, bei der Sie dabei sind? Gibt es Lieferanten, Banken oder Kooperationspartner, deren Beziehung zum Unternehmen in Wirklichkeit eine Beziehung zu Ihnen ist? Wenn Sie auf Urlaub fahren, läuft das Unternehmen – aber läuft es wirklich?

Diese Fragen sind keine Kritik. Sie sind Diagnose. Und je früher eine Diagnose erfolgt, desto mehr Zeit bleibt, um das Risiko zu bearbeiten. Wer das Key-Person-Risk erst entdeckt, wenn der Notar wartet, hat zu spät angefangen.

Schematische Darstellung der Wissens- und Beziehungsübertragung beim Unternehmensübergang – vom Gründer auf das Unternehmen

Wie lässt sich Key-Person-Risk vor der Nachfolge reduzieren?

Key-Person-Risk lässt sich nicht eliminieren – aber es lässt sich strukturiert reduzieren. Das geschieht auf drei Ebenen: Wissen, Beziehungen und Legitimität. Auf der Wissensebene geht es darum, implizites Know-how zu externalisieren – Prozesse, Entscheidungslogiken, Markteinschätzungen, die bisher im Kopf des Gründers gespeichert waren. Das ist mühsam, aber möglich. Auf der Beziehungsebene geht es darum, den Nachfolger systematisch in Schlüsselbeziehungen einzuführen – nicht als Formalakt, sondern als echter Kontaktaufbau über Zeit. Kunden, die jahrelang mit dem Gründer verbunden waren, brauchen Zeit, um Vertrauen in eine neue Person zu entwickeln. Diese Zeit muss eingeplant sein.

Auf der Legitimitätsebene schließlich geht es darum, dass der Gründer den Nachfolger öffentlich und überzeugend empfiehlt – nicht nur einmalig, sondern in einer Übergangsphase, die so gestaltet ist, dass das Unternehmen lernend mit der neuen Führung umgeht. Coaching begleitet diesen Prozess auf beiden Seiten: beim Übergeber, der lernt, loszulassen ohne zu verschwinden; und beim Nachfolger, der lernt, Autorität aufzubauen, ohne die vorherige zu beschädigen.

WennDann
Wichtige Kunden nur Sie persönlich anrufen, nicht das UnternehmenDann ist das Kundenvertrauen personengebunden – und geht mit Ihnen, wenn keine Übertragung stattfindet.
Entscheidungen im Team ohne Sie auf Eis liegenDann ist die Entscheidungsstruktur noch nicht auf das Unternehmen übertragen worden.
Der Nachfolger noch nicht in die Schlüsselbeziehungen eingeführt wurdeDann beginnt der Vertrauensaufbau nach der Übergabe – unter deutlich schwierigeren Bedingungen.
Ihr persönliches Netzwerk und das Unternehmensnetzwerk identisch sindDann verschwindet das Netzwerk mit Ihrem Abgang – und der Unternehmenswert sinkt entsprechend.
Sie noch nicht wissen, wie der Übergabeprozess konkret aussehen sollDann ist der erste Schritt, das Risiko zu benennen – und dann einen strukturierten Zeitplan zu entwickeln.